*500 Menschen beteiligen sich an den Aktionen von Brandenburg Nazifrei
*Sitzblockade zwingt Rechtsradikale nach wenigen hundert Metern zum Umdrehen

Brandenburg Nazifrei dankt allen die sich am Samstag an den Aktionen gegen den Naziaufmarsch beteiligt haben. Gemeinsam haben wir
dafür gesorgt, dass Strausberg kein Ort für rechte Propaganda wurde!
Bereits am Vormittag beteiligten sich über 500 Menschen an der Kundgebung Der LINKEN am Bahnhofsvorplatz. Bei Reden von Aktiven, einem Kulturprogramm und stimmungsvoller Moderation konnte man sich auf die kommenden Aktionen einstimmen. Als die Nazis dann am Bahnhof ankamen, wurden sie lautstark empfangen. Ihre populistischen Parolen gingen in den Rufen der anwesenden Bürger unter. Auch die eine oder andere Vuvuzela soll dabei eine Rolle gespielt haben.
Schon am Bahnhofsvorplatz gab es erste kleinere Sitzblockaden, die jedoch wieder geräumt wurden. So konnte sich der Naziaufmarsch gegen 12:00 Uhr in Bewegung setzen. Nach wenigen Minuten wurde die Demonstration direkt an der Kundgebung von Bündnis 90/Die Grünen vorbeigeleitet. Bürgerinnen und Bürgern wurde eine Teilnahme an dieser Kundgebung im Vorfeld praktisch unmöglich gemacht: ein freier Zugang für Teilnehmende wurde nicht gewährleistet. So standen die wenigen Anwesenden den etwa 100 Nazis alleine gegenüber. Nichtsdestotrotz konnten sie die Rufe der Nazis übertönen und auch hier lautstark klarmachen, dass sie nichts von Nazis und ihrer Ideologie halten.
Eine Straßenecke später war dann auch schon Ende im Gelände. An der Ecke Ernst-Thälmann-Straße/Landhausstraße blockierten mehrere hundert Menschen sitzend und stehend die Route der Nazis. Ab 12:30 hatten sich dort Bürgerinnen und Bürger hingesetzt, um den Naziaufmarsch zu stoppen. Aus anfangs 50 Blockierenden wurden bald an die 300. Damit war klar: für Faschisten gibt es keinen Platz in Strausberg.
Nach weniger als einem Achtel ihrer ursprünglich geplanten Route musste die "KMOB" also umdrehen und unverrichteter Dinge wieder abziehen. Jetzt hieß es nur noch Sitzenbleiben, bis der Erfolg gesichert war. Als die erlösende Nachricht von der Abreise der Nazis dann bei den Blockierenden eintraf, brachen Jubel und Freude aus. Es war alles andere als einfach, den antidemokratischen Aufmarsch der Rechtsradikalen zu verhindern. Und doch haben sich viele Bürgerinnen und Bürger getraut, den Schritt zu gehen und zivilen Ungehorsam gegen die faschistische Provokation zu leisten. Die Anstrengungen wurden wieder einmal belohnt. Strausberg hat den Nazis eine gehörige Abfuhr erteilt.
Die Sitzblockade wollte sich nun selber auflösen, es gab ja keinen Grund mehr auf der Straße zu sitzen. Von der Polizei wurde das allerdings nicht zugelassen. Stattdessen nahm sie die Personalien vieler Menschen auf, die sich an den Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch beteiligten. Das bei diesen Massnahmen zum Teil äusserst rabiate Vorgehen gegen die friedliche Sitzblockade muss noch ausgewertet werden. Im Anschluss an die erfolgreiche Blockade, wurde dann spontan zu einem Empfang bei der Kundgebung der Stadt Strausberg und des Aktionsbündnis Brandenburg geladen. Alle die noch Kraft hatten, konnten den Sieg bei Sonnenschein und einem Glas Sekt gebührend feiern.
Bereits am 29. Mai hatten 500 Menschen in Bernau mit einer Sitzblockade den Aufmarsch von rund 90 Nazis gestoppt. Eine Woche später hatten sich mehrere hundert Menschen in Eberswalde zusammen gefunden, um den dort angekündigten Naziaufmarsch zu verhindern. Dieser wurde jedoch im letzten Moment abgesagt. Am 12. Juni nahmen 250 Menschen an den Aktionen von Brandenburg Nazifrei in Bad Freienwalde teil. 70 Nazis konnten sich nicht ohne lautstarken Widerspruch durch die Stadt bewegen. Nun ist es Brandenburg Nazifrei gelungen, auch in Strausberg die "KMOB" zu stoppen.
Erneut hat sich gezeigt: wenn viele Menschen gemeinsam an Sitzblockaden teilnehmen, können auch unter schwierigen Bedingungen Naziaufmärsche in unseren Städten verhindert werden. Grundlage dafür ist das vielfältige und solidarische Bündnis von Aktiven aus allen betroffenen Städten. Bei Brandenburg Nazifrei setzen sich Menschen aus lokalen Vereinen und überregionalen Verbänden, politischen Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und viele Einzelpersonen dafür ein, dass ihre Städte kein Ort für menschenverachtende und antidemokratische Propaganda werden. Wegschauen und Ignorieren sind eben keine Optionen, um ein Erstarken der Nazis zu verhindern.
An der Demonstration der "Kameradschaft Märkisch Oder Barnim" nahmen erneut Mitglieder der wegen NS-Wiederbetätigung verbotenen Kameradschaft "Frontbann 24" und ähnliche Gruppen teil. Statt der angekündigten 500, waren nur etwa 100 Teilnehmer bei der rechtsradikalen Demonstration erschienen. Aufgrund der Erfahrungen vorangegangener Aufmärsche war auch zu erwarten, dass es keinesfalls mehr werden würden. Man muss davon ausgehen, dass die bewusst falsche Angabe der erwarteten Teilnehmerzahl allein dazu diente, einen möglichst großen Polizeieinsatz zu provozieren. Die nationalsozialistische "KMOB", die offen zur Gewalt gegen ihre demokratischen Gegner aufruft, will ihre Aufmärsche mittels großer Polizeieinsätze, die Unsummen an Steuergeldern verschlingen, gegen den Widerstand der Bevölkerung durchsetzen. Zukünftig wird man überlegen müssen, wie politisch damit umgegangen wird.
In Kürze werden wir weitere Informationen zu den abgesagten Demonstrationen in Biesenthal und Joachimsthal, sowie dem weiterhin beworbenen Aufmarsch in Manschnow veröffentlichen.
Zu guter letzt noch einmal vielen Dank an alle, die in Strausberg gegen die Nazis auf der Straße waren!